g  u  d  r  u  n          b  a  r  e  n  b  r  o  c  k
 

transsib

2-Kanal Videoarbeit für das Kunstmuseum Celle

„transsib“ ist eine Dokumentation des Flüchtigen. Auf zwei großen, übereinander angebrachten
Plasma-Bildschirmen wischen helle Balken über schwarzen Grund. Sie folgen keinem erkennbaren
Muster, und doch scheint ihnen eine geheimnisvolle Choreografie zugrunde zu liegen. Träge und hastig
ziehen die Lichtspalten vorbei, verfolgen und überholen sich, stoßen hin und wieder zusammen, nur
um sogleich wieder fort zu streben. Ein Tanz der Vertikalen, der dem Rhythmus einer Klangkomposition
folgt, die der Musiker Carl Ludwig Hübsch für diese Arbeit geschrieben hat.

Es sind die abgefilmten mechanischen Bewegungen eines Scannerschlittens, die hier über die Monitore
sausen. Je nach Auflösung und Bildausschnitt fährt der Laser mal langsam, mal schneller über
das Foto. Durch die Kombination unterschiedlicher Geschwindigkeiten entstehen rhythmische Reihen.
Einen Hinweis auf die Bilder, die hier einmal eingelesen wurden, gibt es nicht. Geblieben ist nur das
Gleiten des optischen Geräts, das nun mit anderen Bildern unterlegt ist: einem Video von einer Reise
mit dem Zug.

Diese Bildsequenzen folgen keiner erzählerischen Struktur oder Handlung, wichtig sind allein Form,
Kontrast und Bewegung. Das Video fügt dem stetigen Hin und Her des Scanners einen gegenläufigen
Rhythmus hinzu: das Schaukeln des Zuges im Gleisbett, das vertraute Auf und Ab der Wagons, das
die statische Kamera ebenfalls aufgezeichnet hat. Und wie im Zug erhaschen wir nur einen flüchtigen
und ausschnitthaften Blick auf die vorbeiziehenden Ebenen, Wälder, Himmel, Häuser, Industrie -
brachen, Gleise und immer wieder auch andere Züge – jedes Mal dann, wenn der Film für Sekunden
zufällig von einem der Lichtstreifen getroffen und sichtbar wird. Was der Scanner nicht scannt, bleibt
schwarz und unseren Blicken verborgen.

(Ausstellungskatalog "Scheinwerfer / Spotlights" – Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert,
Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon, 2014, Kerber Art, ISBN 978-3-7356-0056-1)

< zurück